{"id":70,"date":"2009-02-26T13:06:45","date_gmt":"2009-02-26T12:06:45","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.tmoehle.de\/?p=70"},"modified":"2009-07-31T13:25:40","modified_gmt":"2009-07-31T11:25:40","slug":"10-argumente-gegen-internetzensur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.tmoehle.de\/home\/10-argumente-gegen-internetzensur\/","title":{"rendered":"10 Argumente gegen Internetzensur"},"content":{"rendered":"<p>Endlich habe ich es geschafft, meine 10 Punkte stehen. Hierf\u00fcr m\u00f6chte ich mich auch bei Matthias Schulze, Mitarbeiter von <a href=\"http:\/\/www.christoph-waitz.de\/\">Christoph Waitz MdB<\/a>, bedanken, der mich bei der Finalisierung des Textes unterst\u00fctzt und mit Informationen versorgt hat.<\/p>\n<p><strong>Internetzensur als Ma\u00dfnahme zur Bek\u00e4mpfung von Kinderpornographie?<\/strong><\/p>\n<p>Kinderpornographie als Form der Kindesmisshandlung steht in Deutschland zu Recht unter Strafe. Wirkungsvolle Handlungen gegen Kindesmissbrauch d\u00fcrften daher im Interesse der B\u00fcrger sein. Die Ma\u00dfnahmen der Internetzensur, die Frau von der Leyen und Herr Dr. Sch\u00e4uble planen, halte ich f\u00fcr wirkungslos und demokratiegef\u00e4hrdend und lehne sie daher aus folgenden Gr\u00fcnden ab:<\/p>\n<p>1.) Grunds\u00e4tzlich ist das Internet kein Medium, das man einfach zensieren kann, da es aus dem Kollektiv entsteht. Das Internet wurde vor dem Hintergrund des Kalten Krieges als Netzwerk geschaffen, dass im Falle eines Ausfalls von Knotenpunkten (nach damaliger Vorstellung z.B. durch einen Nuklearschlag) trotzdem in der Lage ist, die Kommunikation aufrecht zu erhalten. Versperrt man also einen Weg, so kommen die Informationen eben \u00fcber einen anderen Kanal. Dies funktioniert auch heute sehr zuverl\u00e4ssig!<\/p>\n<p>2.) Die von Frau von der Leyen angestrebte Sperrung von Domainnamen (von ihr als \u201cAccess-Blocking\u201d bezeichnet) kann ebenfalls umgangen werden. Zun\u00e4chst m\u00f6chte ich kurz den technischen Hintergrund zu dieser Form der Blockade erl\u00e4utern:<\/p>\n<p>Damit sich Computer in einem Netzwerk wie dem Internet finden k\u00f6nnen, bekommen sie sogenannte IP-Adressen (vergleichbar mit einer Hausnummer). Aktuell bestehen diese Nummern aus vier Ziffernbl\u00f6cken aus dem Bereich zwischen 0 und 255 (z. B. 217.79.215.140). F\u00fcr den Menschen sind diese Nummern oft nicht leicht zu merken, darum gibt es das \u201cDomain Name System\u201d, dass auf hierf\u00fcr zust\u00e4ndigen Computern (den DNS-Servern) Paare von IP-Adressen und \u201cDomains\u201d speichert. Domains sind die gel\u00e4ufigen Internetadressen in Textform wie zum Beispiel \u201cwww.bundestag.de\u201d. Will man nun eine beliebige Information von einem anderen Computer erhalten, von dem man nur die Textadresse, die Domain, kennt, so wird in der Regel ganz automatisch und nebenbei im Hintergrund der zust\u00e4ndige DNS-Server nach der eigentlichen IP-Adresse des Zielcomputers befragt und mit dieser kann dann die Verbindung aufgebaut werden. In Deutschland werden diese zust\u00e4ndigen DNS-Server vor allem von den Internet-Service-Providern wie T-Online, Arcor oder 1&amp;1 gestellt und der Kunde benutzt normalerweise ganz automatisch den DNS-Server seines Providers.<\/p>\n<p>Was genau ist jetzt Access Blocking? Frau von der Leyen stellt sich nun vor, dass die deutschen Internetdienstanbieter (ISPs) einfach die Domains von Seiten mit kinderpornographischem kinderpornographischen Inhalten aus den DNS-Servern l\u00f6schen und f\u00fcr die Zukunft sperren.<br \/>\nEs gibt allerdings zwei relativ einfache Wege, um diese Sperre zu umgehen:<br \/>\nErstens kann man einfach die IP-Adresse des Zielcomputers direkt aufrufen, sofern man sie kennt.<br \/>\nSollte das nicht der Fall sein, kann man zweitens immer noch einfach einen anderen DNS-Server (im Zweifelsfall au\u00dferhalb von Deutschland) nach der Adresse des Zielcomputers fragen. Dies geht z.B. unter Windows XP sehr schnell mit lediglich sechs Klicks.<br \/>\nEs ist also offensichtlich, dass diese Form der Sperre einen Interessierten nicht vom Zugriff abhalten kann. Die Sperre sch\u00fctzt also nur den normalen Otto-Normalverbraucher davor, aus Versehen auf solche Seiten zu sto\u00dfen, die er aber eh nicht sehen wollen und wahrscheinlich auch sofort schlie\u00dfen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>3.) Mit der Einf\u00fchrung einer Zensur-Infrastruktur ist es problemlos m\u00f6glich auch ganz andere Inhalte zu zensieren. Die Erfahrung aus anderen L\u00e4ndern zeigt, dass die Begehrlichkeiten sehr schnell in alle Richtungen gehen, wenn man erst mal angefangen hat. Die Erfahrung aus anderen L\u00e4ndern zeigt auch, dass mit der Zeit immer mehr Themengebiete der Zensur unterworfen werden.<\/p>\n<p>4.) Es ist keine demokratische Kontrolle der Filterliste geplant. Das BKA kann also beliebige Seiten filtern lassen. Sollte also eine gesetzliche Regelung f\u00fcr Internetzensur geschaffen werden, so muss eine unabh\u00e4ngige Institution die Sperrliste des BKAs kontrollieren.<\/p>\n<p>5.) Die Provider, die eigentlich Netzneutralit\u00e4t gew\u00e4hrleisten und alle Inhalte gleich behandeln sollen, werden zu Hilfssheriffs gemacht.<\/p>\n<p>6.) Zensur ist f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung so etwas wie \u201ckollektives Weggucken\u201d. Allerdings wird wahrscheinlich kein Kind auf dieser Welt dadurch gesch\u00fctzt, dass deutsche Otto-Normalverbraucher sie im Internet nicht mehr aus Versehen nackt sehen. Wie gesagt, nur weil man es nicht sieht, hei\u00dft es nicht, dass es nicht passiert.<\/p>\n<p>7.) Vor einiger Zeit hat ein Blogger (<a href=\"http:\/\/scusiblog.org\/?p=463\">http:\/\/scusiblog.org\/?p=463<\/a>) eine bekannt gewordene Sperrliste aus Finnland untersucht und festgestellt, dass 96% der Server, die auf diesen Listen stehen, in westlichen Staaten wie den USA oder Deutschland stehen. Statt dem Volk zu verbieten die Inhalte dieser Server anzugucken sollte man lieber die Server selbst vom Netz nehmen und zur\u00fcckverfolgen, wer die Inhalte auf diesen Servern ver\u00f6ffentlicht. Schlie\u00dflich m\u00fcssen diese meist angemieteten Computer auch bezahlt werden und \u00fcber die Finanzstr\u00f6me kommt man so vielleicht sogar an die Verbrecher, die die Inhalte (Fotos, Videos) erstellen.<\/p>\n<p>8.) Sogar der Wissenschaftliche Dienst des deutschen Bundestags hat in einem <a href=\"http:\/\/netzpolitik.org\/wp-upload\/bundestag_filter-gutachten.pdf\">Gutachten<\/a> festgestellt, dass eine Internetzensur nicht sinnvoll ist. Wenn die Bundesregierung schon nicht auf externe Fachleute h\u00f6rt, dann doch bitte wenigstens auf die eigenen!<\/p>\n<p>9.) Zensur ver\u00e4ndert nichts, sondern vertuscht nur. Auch wenn in China Begriffe wie \u201cDemokratie\u201d oder \u201cMenschenrechte\u201d zensiert werden, leben wir demokratisch und verteidigen die Menschenrechte. Auch wenn in Finnland einige Kinderporno-Webseiten gesperrt sind, werden t\u00e4glich Kinder misshandelt. Zensur ist also kein Mittel um Dinge zu ver\u00e4ndern, sondern nur um die Realit\u00e4t auszublenden.<\/p>\n<p>10.) Das Internet ist ein internationales Medium. Eine rein nationale Regelung macht also schon prinzipiell keinen Sinn, da gesperrte Inhalte immer noch von anderen Orten auf diesem Planeten abgerufen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Hiermit m\u00f6chte ich nochmal ausdr\u00fccklich betonen, dass ich nicht den Kampf gegen Kindesmisshandlung zu pornographischen Zwecken kritisiere. Dieser ist wichtig und sollte auch im Interesse aller demokratischen Parteien sein. Das Problem ist, dass der Kampf gegen Kinderpornographie hier zum einen mit einer v\u00f6llig ungeeigneten, eventuell sogar kontraproduktiven und noch dazu demokratisch h\u00f6chst fragw\u00fcrdigen Ma\u00dfnahme gef\u00fchrt werden soll.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich habe ich es geschafft, meine 10 Punkte stehen. Hierf\u00fcr m\u00f6chte ich mich auch bei Matthias Schulze, Mitarbeiter von Christoph Waitz MdB, bedanken, der mich bei der Finalisierung des Textes unterst\u00fctzt und mit Informationen versorgt hat. Internetzensur als Ma\u00dfnahme zur Bek\u00e4mpfung von Kinderpornographie? 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